Tasse 2: Petra

Das Leben im Jetzt ist die beste Idee, die man haben kann, in dem Moment.

Ein bewegtes Leben

Als ich meinen Einkauf im Supermarkt erledigt hatte, kam mir am Ausgang eine Dame mit Blindenstock und Einkaufswagen entgegen. In den letzten Monaten hatte ich den Wunsch, das Leben durch die Augen einer blinden Person zu sehen. Bei der Frage, ob ich sie auf eine Tasse Kaffee einladen darf, wurde ich mit zum Einkaufen eingeladen – ein besonderes Gefühl, direkt Teil ihres Lebens sein zu dürfen. Eine Tasse Cappuccino mit Hafermilch für Petra und eine Tasse Pfefferminztee für mich gab es dann danach in einem schönen Café.

Den ersten Gehalt hat Petra sich bei Siemens an einem Plotter erarbeitet. Viel Verschiedenes hat sie in ihrem Leben gemacht: Glasmalerei, selbständig gearbeitet als Handweberin, Weben unterrichtet an der Schule für Ergotherapie, als Ergotherapeutin gearbeitet, psychologische Beratung angeboten. Auf allen Kontinenten war Petra schon unterwegs. Als Fotografin für den Journalismus war sie in Indien. Heute genießt sie das Leben als Rentnerin. Das ist eine klasse Phase im Leben. Man kann viel machen. Petra singt im Chor, tanzt, macht Yoga, lernt Englisch, wandert gerne im Gebirge. Sie lebt ein bewegtes Leben. Die Beweglichkeit sowohl körperlich als auch geistig und seelisch ist etwas, was Petra dauernd fördert.

Wenn du jemanden mit einem Blick für die Sachen brauchst, frag Petra. Sie ist praktisch und kreativ begabt, gesprächsfreudig, hat viel Lebenserfahrung und ist richtig empathisch.

Petra war alleinerziehend und ist mit zwei Söhnen und Enkelkindern beschenkt. Mit 18 wurde sie mit einer seltenen Gen-Erkrankung diagnostiziert. Mitte 30 musste sie sich der Erkrankung stellen. Sie ist heute blind und überzeugt: „Ich hätte das nicht, wenn es nicht so sein sollte.“ Ehrenamtlich engagiert sie sich als Beraterin in der Augenklinik und leitet auch einen Gesprächskreis.

Rat fürs Leben:

  • Sei dir selbst der beste Freund.
  • Das Leben im Jetzt ist die beste Idee, die man haben kann, in dem Moment.
  • Durch unser Handeln im Leben, wenn wir das wirklich annehmen, die Aufgaben und Erfahrungen, dann leben wir das Leben voll und nützen es auch.
  • Wir wollen eigentlich alle immer das Beste versuchen. Es gibt kein Perfekt.

Wie du mit schwierigen Erfahrungen umgehst:

  • Den Widerstand fallen lassen gegen das, was ist, mitgehen und das als Erfahrungen verstehen, was einem begegnet. Was wir erfahren, macht uns zu dem, was wir sein und werden sollen.

Wie du Entscheidungen triffst:

  • Lass dir Zeit, geh in dich, entscheide nicht nur mit dem Kopf, öffne dich für eine gewisse Intuition.

Wie du Ängste überwindest:

  • Man begegnet Ängsten, indem man sie anschaut, indem man nicht wegläuft. Der Atem, Bewegung und andere helfen einem, aber die Grundeinstellung ist immer bei allem: nicht weglaufen.

Interessanter Autor in Sachen Spiritualität:

  • A. H. Almaas.

Durch das Leiden können wir eine Art von Wachheit erfahren und durch dieses Tor zur Wahrheit schreiten.

Mein Fazit:

Ich bin dankbar für die besondere Begegnung und den Einblick in ein bewegtes Leben.